Familien auf Dauer zu trennen richtet Schaden an
Nach dem Auslaufen des umstrittenen Stopps für Familiennachzug von Asylberechtigten ist der rechtsfreie Zustand durch das Vorliegen eines neuen Entwurfs zur Niederlassungsverordnung beendet. Zufriedenstellend ist die Rechtslage für die Katholische Aktion aber bei weitem nicht. „Das Recht auf Familie ist aus gutem Grund ein Menschenrecht. Deshalb entzieht sich dieses Recht einer Regelung durch Quote“, betont KAÖ-Vizepräsidentin Katharina Renner und gibt zu bedenken: „Wer soll entscheiden, welche Familien zusammenleben dürfen und wem dies verwehrt bleibt? Familien zu trennen ist grausam und richtet gesellschaftlich großen Schaden an, hier in Österreich, aber auch bei den Angehörigen und Kindern, die in Herkunftsländern oder Flüchtlingslagern unter unmenschlichen Bedingungen ausharren müssen.“ Außerdem sei erwiesen, dass sich Familienleben positiv auf die Integration, also das gute Zusammenleben in der neuen Heimat auswirke. „Wer Verantwortung für Familienmitglieder trägt, wird möglichst bald ökonomisch auf eigenen Beinen stehen wollen“, weiß Renner aus ihrer praktischen Arbeit mit Familien. Wer gute Integration als politisches Ziel definiert, sollte auch positiv gestaltete Familienzusammenführung voranbringen, ist die Katholische Aktion überzeugt.
Quotenregelung verstößt gegen Unionsrecht
Die Katholische Aktion teilt die Einschätzung der Asylkoordination Österreich, dass die Quotenregelung darüber hinaus gegen Unionsrecht verstößt. „Das Recht auf Achtung des Familienlebens ist in Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention und in Artikel 7 der EU-Grundrechtecharta verankert“, erklärt Renner. „Die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte verlangt immer eine individuelle Abwägung von Umständen. Dies darf nicht durch eine Quotenregelung unterwandert werden.“
Eine christlich-soziale Herangehensweise an das Thema wäre die ehrliche Zuwendung zur Frage, wie Familien, die Schutz vor Krieg, Verfolgung und Elend brauchen, bestmögliche Integrationschancen bekommen. Die Haltung der Abschottung schafft mehr Probleme als sie löst, ist die Katholische Aktion überzeugt.
(ps/31.10.2026)


