Die KI, der Papst und die Zukunft der Arbeitswelt
Die Herausforderungen und Chancen durch Einsatz von sogenannter Künstlicher Intelligenz (KI) in der Arbeitswelt standen im Mittelpunkt der Bundeskonferenz der Katholischen Arbeitnehmer:innenbewegung Österreich (KABÖ), die am 16. und 17. Oktober 2026 in Eisenstadt stattfand. Ausgehend von der jüngst veröffentlichten Enzyklika „Magnifica humanitas“ von Papst Leo XIV. beschäftigten sich die Delegierten intensiv mit den Auswirkungen technologischer Entwicklungen auf die Arbeitswelt und die Gesellschaft.
Im Rahmen einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung im Haus der Begegnung in Eisenstadt diskutierten unter der Moderation von KAÖ-Generalsekretärin Regina Petrik die Arbeitsmarktexpertin Manuela Vollmann (ABZ*Austria) und Karl Immervoll, Geistlicher Assistent der KABÖ, über die sozialen, wirtschaftlichen und ethischen Herausforderungen der KI.
KI verändert die Arbeitswelt umfassend
Manuela Vollmann stellte den großen Chancen der neuen Technologien die ebenso bedeutenden Herausforderungen gegenüber. Künstliche Intelligenz werde zahlreiche Arbeitsbereiche verändern und teilweise auch ganze Berufsbilder verdrängen. Umso wichtiger seien Investitionen in Aus- und Weiterbildung sowie die Begleitung von Beschäftigten bei notwendigen Umschulungen. Derzeit werde in diesem Bereich noch zu wenig getan. Besonders wichtig sei es, die Auswirkungen differenziert zu betrachten, da einzelne Berufsgruppen und Branchen sehr unterschiedlich betroffen sein werden. Vollmann verwies zudem auf die demografische Entwicklung, die viele Unternehmen noch nicht ausreichend in ihre strategischen Überlegungen einbeziehen.
Blick auf prekäre Arbeitsbedingungen im Dienste der KI
Karl Immervoll hob die Bedeutung der Katholischen Soziallehre als Orientierungsrahmen für die Bewertung der aktuellen Entwicklungen hervor. Papst Leo XIV. warne davor, die technologische Entwicklung ausschließlich privaten Interessen und Gewinnmaximierung zu überlassen. Vielmehr brauche es staatliche und gesellschaftliche Verantwortung sowie wirksame Regulierungen, um die Menschenwürde, gerechte Arbeitsbedingungen und den Schutz der Umwelt sicherzustellen. „Papst Leo weist uns auf die oft prekären Arbeitsbedingungen von Menschen in ärmeren Regionen der Welt hin, die an den globalen Liefer- und Wertschöpfungsketten der Technologieentwicklung beteiligt sind“, betonte Immervoll. In der gesamten KI-Debatte sei dieser ethische Aspekt noch unterbeleuchtet. Ebenso müssten Ressourcenverbrauch und Energieaufwand der KI-Industrie unter dem Gesichtspunkt der ökologischen Verantwortung betrachtet werden. Regulierung sei deshalb kein Ausdruck von Technikfeindlichkeit, sondern Voraussetzung für eine positive und menschenorientierte Entwicklung.
„Wir sehen uns durch die Impulse des Papstes in unserem Auftrag bestärkt, gesellschaftliche Entwicklungen aus der Perspektive der Katholischen Soziallehre zu beurteilen und mitzugestalten“, resümiert Gratzer Hubert, Vorsitzender der KABÖ. „Wir wollen den Herausforderungen der Gegenwart anhand der Grundprinzipien Gemeinwohl, Menschenwürde, soziale Gerechtigkeit, Solidarität, Subsidiarität und der allgemeinen Bestimmung der Güter begegnen.“
Konkreter Einsatz für menschenwürdige Arbeit
Die diözesanen KAB-Gruppen setzen diesen Auftrag bereits durch zahlreiche Initiativen und Veranstaltungen vor Ort um: von Aktionen für den freien Sonntag und den Tag der menschenwürdigen Arbeit über Schwerpunkte zu Care-Arbeit und Lohngerechtigkeit zwischen Frauen und Männern bis hin zu Arbeiter:innenwallfahrten, Dialogveranstaltungen und Projekten für arbeitssuchende Menschen. Die KABÖ beteiligt sich auch an dem für Mai 2027 geplanten Projekt „Frauen*streiken“. Auch das KAB-Magazin „Zeitzeichen“ wurde als wichtiges Instrument der gesellschaftspolitischen Bewusstseinsbildung hervorgehoben.
Zugleich stellten die Delegierten auf der Konferenz fest, dass die Gestaltung einer menschenwürdigen Arbeitswelt im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz eine gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe ist. Die KABÖ ruft daher Religionsgemeinschaften, politische Parteien, Gewerkschaften, Bildungseinrichtungen und Unternehmen dazu auf, sich gemeinsam für eine soziale und gerechte Gestaltung des technologischen Wandels einzusetzen.
(ps/21.10.2026)


