Katharina Renner: „Es sind Menschen, über die entschieden wird"
Die Katholische Aktion fordert zum langen Tag der Flucht: Die Politik soll das Engagement der vielen Freiwilligen unterstützen, statt finanzielle Mittel zu kürzen und Emotionen zu schüren.
“Flucht ist niemals freiwillig und sie ist immer gefährlich”, betont Katharina Renner, Vizepräsidentin der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ) anlässlich des langen Tages der Flucht am 2. Oktober. Sie verweist auf die Botschaft von Papst Leo zum Welttag der Migranten und Flüchtlinge, in der er schreibt: „Todesfälle entlang der Migrationsrouten, Menschenhandel und Ausbeutung, die Rekrutierung von Minderjährigen als Kindersoldaten in bewaffneten Konflikten, sexuelle Gewalt, Zwangsheiraten und Gräueltaten, die sie auf ihrem Weg erleiden oder mitansehen müssen. Ihre Würde wird auf zu viele verschiedene Arten mit Füßen getreten.“ Umso mehr zeigt sich die KAÖ besorgt, dass Organisationen, die sich für die gute Aufnahme und Unterstützung für Menschen auf der Flucht einsetzen, überproportional stark unter den aktuellen finanziellen Kürzungen staatlicher Zuschüsse leiden.

Den Menschen sehen, nicht die Masse
Zur Flucht und den damit verbundenen Entbehrungen entschließe sich niemand ohne Not, weiß Renner aus ihrer eigenen Arbeit mit Flüchtlingen und Freiwilligen in der Betreuung von Schutzsuchenden. “Wir haben in diesem Sommer einmal mehr gesehen, wie groß die Verzweiflung von Menschen ist, die keinen Platz haben, um menschenwürdig zu leben. Politisch werden sie instrumentalisiert und entmenschlicht, medial wird bewusst die Masse gezeigt, damit wir nicht mehr das Gesicht des oder der Einzelnen sehen. Dennoch: Es geht um die einzelne Person. Es geht um die Sehnsucht nach Ankommen, nach einem Leben in Ruhe, nach Entfaltung und Zukunft.” Die Katholische Aktion ruft Entscheidungsträger*innen dazu auf, bei aller Verantwortung niemals zu vergessen, dass es Menschen sind, über die entschieden wird.
Unchristliche Antworten als solche benennen
So laut wie Kirchenglocken sollten die Alarmglocken bei allen gläubigen Katholiken läuten, wenn der Begriff “Remigration” in die politische Debatte eingebracht wird. Auch Papst Leo XIV. hat die von rechten Kräften unter dem Schlagwort „Remigration“ geforderte Rückführung von Menschen in ihre Herkunftsländer als “unchristliche Antwort” auf Probleme in der Asylpolitik kritisiert. Mit ihm spricht sich auch die KAÖ gegen ungeregelte Zuwanderung aus. Jeder Staat und jede Staatengemeinschaft haben das Recht, Regeln für Migration festzulegen. Diese dürfen aber nicht das Recht auf Asyl verwehren und sie dürfen sich nicht im Widerspruch zur Europäischen Menschenrechtskonvention befinden.
Engagement würdigen statt Hass schüren
“Uns stimmt besorgt, dass Organisationen, die sich für die gute Aufnahme und Unterstützung für Menschen auf der Flucht einsetzen, überproportional stark unter den finanziellen Kürzungen leiden”, so Renner. Umso mehr sehe die Katholische Aktion das Engagement so vieler Freiwilliger und Initiativen, die sich mit großem persönlichen Einsatz für die Rechte von Menschen auf der Flucht stark machen, nicht nur an diesem Tag, sondern auch das ganze Jahr über. Ihnen gelte an diesem Tag ein besonderer Dank.
(ps/1.10.2026)

