Konferenz der KAÖ: Für eine starke Demokratie der Pluralität
Die Konferenz der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ) stellt klar, dass Demokratiefeindlichkeit nicht christlich begründet werden kann und fordert eine Dokumentationsstelle für religiös motivierte demokratiefeindliche Agitation.
Katholische Aktion ist besorgt über Agitation christlich-fundamentalistischer Gruppierungen
Die Konferenz der Katholischen Aktion Österreich zeigt sich besorgt über christlich-fundamentalistische Gruppierungen, die ohne jegliche wissenschaftlich-theologische Grundlage für sich in Anspruch nehmen, über den „wahren christlichen Glauben“ zu verfügen und die vorgeben, diesen zu verteidigen. Ihre Vertreter:innen arbeiten mit Methoden der Komplexitätsreduktion und ausgeprägtes „schwarz-weiß-Denken“. Einheit und Zugehörigkeit werden oft durch Manipulation, Macht und Ausschluss erzeugt und infolge für die Durchsetzung politischer Interessen missbraucht. Ziel ist die Aushöhlung der liberalen Demokratie und die Etablierung eines autoritären Staates. Damit verfolgen diese Strömungen bei genauem Hinsehen die gleichen Ziele wie islamistische Fundamentalisten: Den Abbau demokratischer Institutionen, den Kampf gegen die Gleichberechtigung der Geschlechter und die Herabwürdigung von Minderheiten und Andersdenkenden. Dagegen verwehrt sich die Katholische Aktion mit aller Vehemenz.

Katholische Aktion steht ein für eine pluralistische, menschenrechtsbasierte Demokratie
Diese Glaubens- und Weltsicht steht in fundamentalem Widerspruch zu den großen theologischen Linien des 2. Vatikanischen Konzils. Dieses brachte mit seiner Haltung des „Aggiornamento“, der Hinwendung zur Welt und zu den Lebensrealitäten der Menschen eine Abkehr der katholischen Kirche von einem integralistischen Antimodernismus und brachte die Anerkennung einer pluralistischen, menschenrechtsbasierten Demokratie. Seither positioniert sich die Katholische Kirche deutlich für die Anerkennung anderer religiöser Traditionen, für die Bewahrung der Schöpfung und Klimaschutz und für menschenwürdigen Umgang mit Migration.
Kirche hat den Auftrag des Dialogs mit der Welt
„Wenn wir den Gedanken der Inkarnation ernst nehmen, dass Gott Mensch geworden ist, dann kann auch Kirche nicht jenseits von Gesellschaft und ihrer konkreten Bedingungen gedacht werden“, betont die Theologin Sigrid Rettenbacher in ihrem Referat auf der KAÖ-Konferenz. „Mit diesem Gedanken hat das 2. Vatikanum ernst gemacht, indem es der Kirche den beständigen Dialog mit der Welt aufgetragen hat. Hinter die Errungenschaften des 2. Vatikanums dürfen wir als Kirche nicht wieder zurück: dazu gehört das Einstehen für Demokratie genauso wie Religions-, Gewissen- und Meinungsfreiheit, aber beispielsweise auch der Dialog mit den Wissenschaften der Zeit, um den Menschen und die Welt besser zu verstehen“. Die Katholische Aktion bekräftigt diese Ausführungen, die auch wissenschaftliches Geschlechterwissen betreffen.
Dokumentationsstelle für religiös motivierte demokratiefeindliche Agitation
Die Katholische Aktion bekräftigt den Weg des 2. Vatikanischen Konzils in seiner Hinwendung zu den Sorgen der Menschen im Leben von heute und führt diesen fort durch den Einsatz für starke demokratische Institutionen und die Anerkennung der Gleichwertigkeit und Menschenwürde aller Menschen.
Die Katholische Aktion zeigt sich solidarisch mit Menschen, die seitens religiös-fundamentalistischer Gruppierungen attackiert werden, ungeachtet unter dem Deckmantel welcher Religion diese Gruppierungen handeln.
Die Katholische Aktion regt an, die Aufgaben der Dokumentationsstelle Politischer Islam auszuweiten auf die wissenschaftliche Erforschung des Phänomens religiös motivierter demokratiefeindlicher Kräfte – dies betrifft in Österreich vorrangig islamistische und fundamentalistisch-christliche Kreise – sowie mit diesen assoziierten Netzwerken und Strukturen. Denn es geht darum, demokratiefeindliche Agitation im Staat in ihrer Wurzel zu erkennen und zu bekämpfen.
Die Katholische Aktion betont die Wichtigkeit, demokratiefeindliche Bestrebungen innerhalb der Kirche zu identifizieren und zu benennen. Sie regt an, innerhalb der katholischen Kirche eine Stelle einzurichten, die in Belangen christlich-fundamentalistischer und integralistischer Bestrebungen ansprechbar ist und Information und Orientierung für jene Menschen anzubieten, die mit derartigen Netzwerken in Kontakt kommen.

(ps/28.9.2026)

