Die Schöpfungsverantwortung kennt keine Ausreden
Ich habe kein Verständnis, wenn behauptet wird, dass der „heißeste Sommer“ eine Ausnahme darstellt und es Klimakatastrophen immer gab. Aussagen wie „Wir lassen uns von Umweltaktivist:innen nicht unser gutes Leben madig machen“, sind entbehrlich und dumm.

Vor 30 Jahren wurde das Umweltbüro der Erzdiözese Wien gegründet. Damals galt „Verantwortung für die Schöpfung“ zu übernehmen, häufig nur als Anliegen einiger weniger Engagierter. Heute wissen wir: Die ökologische Krise ist eine der größten, wenn nicht die größte Gerechtigkeitsfrage unserer Zeit. Sie betrifft nicht nur das Klima, sondern auch Frieden, soziale Sicherheit und die Lebensbedingungen kommender Generationen.
Als Christinnen und Christen können wir dieser Entwicklung nicht gleichgültig gegenüberstehen. Die Schöpfung ist kein Rohstofflager zur grenzenlosen Verwertung, sondern Gottes Geschenk an die Menschheit. Wer die Erde zerstört, verletzt nicht nur die Natur, sondern auch die Würde der Menschen, besonders jener, die bereits heute unter Dürre, Überschwemmungen und wirtschaftlicher Not leiden.
Die Fakten liegen seit Jahren auf dem Tisch. Wissenschaft und internationale Organisationen warnen eindringlich vor den Folgen der Erderwärmung. Dennoch werden in Österreich weiterhin Milliarden für umweltschädliche Subventionen und kurzsichtige Wirtschaftsinteressen ausgegeben. Während Sonntagsreden von Nachhaltigkeit sprechen, fließen vielerorts noch immer öffentliche Gelder in Strukturen, die die Klimakrise verschärfen.Wer Verantwortung trägt, muss sich daran messen lassen, ob politische Entscheidungen tatsächlich dem Gemeinwohl und der Bewahrung der Schöpfung dienen.
Ermutigend sind die vielen Initiativen, die zeigen, dass Veränderung gelingt. Unser „FairWandeln“- Netzwerk bringt Menschen zusammen, die Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und christliches Engagement miteinander verbinden. In Pfarren, Gemeinden und Initiativen wird sichtbar: Wer gemeinsam handelt, kann etwas bewegen.
Diese Ausgabe der Denkanstöße mit Beiträgen aus Politik und Zivilgesellschaft lädt daher nicht nur zum Nachdenken ein, sondern auch zum Handeln. Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt, eine Umweltgruppe in der eigenen Pfarre zu gründen (eine FairWandeln-Klimakonferenz ist dafür ein guter Start) oder bestehende Initiativen zu unterstützen. Jeder Schritt zählt.
Die Zukunft der Schöpfung entscheidet sich nicht irgendwann. Sie entscheidet sich heute. Und sie entscheidet sich dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen.
Die Katholische Aktion versteht Schöpfungsverantwortung daher nicht als Randthema, sondern als Kern christlicher Gesellschaftsverantwortung. Wer an den Schöpfer glaubt, kann zur Zerstörung der Schöpfung nicht schweigen. Und wer seinen Nächsten liebt, darf die Folgen der Klimakrise nicht ignorieren.
Die Schöpfung ist uns nicht vererbt worden. Sie ist uns anvertraut.
Ihr Reinhard Bödenauer, Präsident der Katholischen Aktion der Erzdiözese Wien
Katholische Aktion der Erzdiözese Wien
Newsletter Archiv und Bestellung: Anmeldung für den Newsletter
(ps/25.9.2026)

