Jungschar und KJ sehen pauschales Social-Media-Verbot kritisch
Die Bundesregierung hat den Gesetzesentwurf für ein Social-Media-Mindestalter von 14 Jahren am Dienstag bei der Europäischen Kommission in Brüssel zur Begutachtung vorgelegt. Damit sollen erstmals klare Regeln für den Zugang von Kindern zu bestimmten Plattformen wie TikTok, Instagram und Snapchat geschaffen werden. Die Katholische Jugend Österreich (KJÖ) und die Katholische Jungschar Österreich (KJS) stehen dem geplanten Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige kritisch gegenüber. Beide kirchlichen Jugendorganisationen betonen zwar auf Kathpress-Nachfrage am Dienstag die Notwendigkeit, Kinder und Jugendliche vor schädlichen Inhalten und suchtfördernden Mechanismen im digitalen Raum zu schützen, sehen ein pauschales Verbot allein aber nicht als ausreichende Lösung.
Geplante Altersgrenze ist uneffektiv
Die Katholische Jugend bezeichnete die geplante Altersgrenze als "uneffektiv". Cybermobbing, Radikalisierung und Algorithmen, die Nutzerinnen und Nutzer abhängig machen sollen, würden nicht an einer willkürlich gesetzten Altersgrenze verschwinden. Zudem lasse die Regelung all jene außen vor, die bereits älter als 14 Jahre seien, obwohl auch sie von den Problemen digitaler Plattformen betroffen sein könnten. Statt eines Verbots brauche es aus Sicht der KJÖ eine konsequente Durchsetzung bestehender Regelungen wie des europäischen Digital Services Act (DSA) sowie eine strengere Regulierung der Plattformen. "Süchtig machende Algorithmen sollten etwa verboten werden", fordert die Jugendorganisation.
Kinder und Jugendliche brauchen sichere Räume
Auch die Katholische Jungschar sieht Handlungsbedarf beim Schutz von Kindern im digitalen Raum. "Kinder vor schädlichen Inhalten und suchtfördernden Mechanismen im digitalen Raum zu schützen, ist dringend notwendig und richtig", erklärte Bundesvorsitzende Veronika Schippani-Stockinger. Das geplante Social-Media-Verbot könne dafür ein Baustein sein, greife als alleinige Maßnahme jedoch zu kurz und werde den vielfältigen Herausforderungen im digitalen Raum nicht gerecht.
Kinder und Jugendliche müssten lernen, Risiken zu erkennen und digitale Plattformen verantwortungsvoll zu nutzen. Medien- und Demokratiebildung dürfe daher nicht erst in der Oberstufe beginnen. Auch Eltern und andere Bezugspersonen benötigten verständliche Informationen und niederschwellige Beratungsangebote.
Zugleich verwies die Organisation auf die Bedeutung sicherer Räume außerhalb des Internets. Kinder und Jugendliche bräuchten verlässliche Bezugspersonen und Begegnungsmöglichkeiten. Die außerschulische Kinder- und Jugendarbeit leiste dazu einen wichtigen Beitrag. "Das Gesetzesvorhaben muss daher von einer langfristigen Stärkung und ausreichenden Finanzierung dieser Angebote begleitet werden", forderte Schippani-Stockinger.
Beide Organisationen sehen vor allem die Plattformbetreiber stärker in der Verantwortung. Diese müssten verpflichtet werden, Kinder und Jugendliche besser vor Risiken zu schützen, suchtfördernde Mechanismen einzuschränken und kindgerechte Angebote zu schaffen.
Quelle: Kathpress
(rp/29.07.2026)

