Bödenauer für breite Debatte über Künstliche Intelligenz
Eine breite gesellschaftliche Debatte über die Gestaltung Künstlicher Intelligenz auf Basis der neuen Enzyklika von Papst Leo XIV. wünscht der Präsident der Katholischen Aktion der Erzdiözese Wien, Reinhard Bödenauer. In einer Stellungnahme vom Dienstag (16.6.2026) gegenüber Kathpress betonte Bödenauer, die Entwicklung von KI dürfe weder Technikexperten noch Wirtschaftsinteressen allein überlassen werden. Entscheidend sei die Frage, ob die Technologie dem Menschen diene und insbesondere den Schwächeren zugutekomme.

Die gegenwärtige Diskussion über KI konzentriere sich häufig auf Effizienz, Produktivität und wirtschaftliche Chancen, während die Auswirkungen auf Arbeitswelt, Mitbestimmung, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Lebensqualität zu wenig berücksichtigt blieben, bemerkte Bödenauer. Das Papst-Schreiben "Magnifica humanitas" liefere hier einen Anstoß, die sozialen Folgen der Digitalisierung stärker in den Blick zu nehmen.
Betroffene einbinden
Besondere Bedeutung maß der KA-Präsident der Frage der demokratischen Beteiligung bei. Regeln für den Einsatz von KI seien notwendig, blieben aber wirkungslos, wenn Betroffene nicht ausreichend eingebunden würden. Bödenauer sprach sich daher für eine stärkere Mitbestimmung in Unternehmen und bei der Einführung digitaler Systeme aus. Die gesellschaftliche Kontrolle technologischer Entwicklungen müsse mit deren Dynamik Schritt halten.
Kritisch verwies Bödenauer zudem auf die Umfeldfolgen der Digitalisierung. Die Debatte über Künstliche Intelligenz werde oft geführt, als handle es sich um eine rein virtuelle Technologie. Tatsächlich stünden hinter digitalen Anwendungen jedoch energieintensive Rechenzentren und ein hoher Verbrauch an Ressourcen. Aus Bödenauers Sicht greife eine KI-Ethik zu kurz, wenn derartige Fragen ausgeblendet blieben.
Über Nutzen nachdenken
Als zentrale Leitfrage formulierte der KA-Präsident, wem technologische Innovation letztlich nütze und wer ihre Kosten trage. Es genüge nicht, über Innovation und Effizienz zu sprechen. Vielmehr müsse geprüft werden, ob technischer Fortschritt sozial gerecht gestaltet werde. "Nicht alles, was technisch möglich ist, ist auch menschlich sinnvoll. Nicht alles, was effizient ist, ist gerecht", erklärte Bödenauer.
Zugleich plädierte der Vorsitzende der Katholischen Aktion Wien dafür, die Inhalte der Enzyklika in verständlicher Form aufzubereiten. Es brauche Menschen, die die Anliegen der katholischen Soziallehre in Pfarren, Bildungseinrichtungen und gesellschaftliche Diskussionen hineintragen. Auch eine Übersetzung in Leichte Sprache sei vonnöten, denn KI dürfe kein Thema für Expertinnen und Experten bleiben, sondern müsse mit allen Betroffenen diskutiert werden.
Auf ähnliche Fragen hatten bereits im Mai die 29. Kramsacher Gespräche der Hans-Klingler-Stiftung hingewiesen. Dort diskutierten Vertreter aus Wirtschaft, Arbeitnehmervertretungen, Wissenschaft und Theologie über die gesellschaftlichen Veränderungen durch Digitalisierung und KI. Auch Fragen der Mitbestimmung, der psychischen Folgen oder künftig notwendige "KI-Verordnungen" wurden dabei angesprochen, sowie des richtigen Umgangs mit Effizienzgewinnen.
Quelle: kathpress
(ps/16.6.2026)

