Widerstand als Verantwortung für die liberale Demokratie
Die Europäischen Toleranzgespräche, die von 17. - 24. Mai in Fresach/Kärnten stattfinden, stehen unter dem Motto: Widerstand – Verantwortung. Sie verstehen sich als Beitrag zu einer lebendigen demokratischen Kultur, in der Verantwortung gemeinsam gelebt und getragen wird. Veranstaltet werden die prominent besetzten Gespräche vom Verein Denk.Raum.Fresach, dessen Obfrau Superintendentin Andrea Mattioli im Einladungsfolder schreibt: „Wo Menschen Verantwortung wahrnehmen, kann, ja, muss an vielen Stellen Widerstand erwachsen. Er beginnt im Gewissen des Einzelnen und zeigt sich überall dort, wo Menschen für Würde, Gerechtigkeit und Menschlichkeit einstehen.“
KAÖ-Präsident Ferdinand Kaineder diskutierte auf einem Podium am 21. Mai mit der Superindendentin Andrea Mattioli, dem Theologen und Psychotherapeuten Arnold Mettnitzer und der Islamkritikerin Mina Ahadi zum Thema „Widerstand und Feindesliebe – Über den Umgang mit Unrecht und Ungerechtigkeit“. Er erinnerte dabei an Franz Jägerstätter, der für seinen christlich motivierten Widerstand gegen das NS-Regime ermordert, von der katholischen Kirche viele Jahre später selig gesprochen wurde. „Das Gedenken rund um seinen gestrigen Geburtstag ist auch eine Warnung an uns, dass wir nicht verlernen, uns einzubringen für das, wofür wir stehen. Das ist heute in einer menschenrechtsbasierten liberalen Demokratie möglich. Wir als Katholische Aktion sehen es besonderen Auftrag an uns heute, dass wir Demokratie leben und gestalten und dass uns das nicht abhandenkommt, was unser Leben so möglich macht: in Freiheit, miteinander und verantwortungsvoll“, so Kaineder.
Auf die Frage, ob es denn noch die Menschen gäbe, die mutig hervortreten und nicht nur in Klicks und Likes agieren, meint Kaineder: „Wenn ich die jungen Leute, denen ich begegne, so betrachte, bin ich sehr positiv gestimmt. Natürlich gehört beim Engagement auch der Klick dazu. Das ist heute so.“ Das alte KA-Prinzip „sehen - urteilen - handeln“ hätte aber noch immer Gültigkeit, wobei wir heute eher von „bewerten und einordnen“ statt von „urteilen“ reden. „Beim Sehen brauchen wir auch das Hinhören auf das, was die Menschen bewegt, was sie beschäftigt“, erweitert Kaineder den Blick. „Das ist auch mein Zugang zum Glauben: Auf wen höre ich? Zunächst einmal auf Gott und dann auf die Menschen, denen ich begegne. Viele Menschen fragen auch heute nach: Wie hätte es Jesus gemacht?“
Zur Frage nach dem Kreuz im Klassenzimmer betont Kaineder: „Das Kreuz darf nie ein Kampfmittel werden.“ Unterricht in Ethik, Religionen und Gemeinwohl müssten in der Schule verankert sein, um sich gemeinsam mit verantwortungsvoller Teilhabe in der Gesellschaft zu befassen. „Eine klare Trennung von Kirche und Staat muss gewährleistet sein“, untermauert Kaineder, „aber es muss in vielen Bereichen gute Kooperation geben, wie dies etwa in den Bereich Gesundheit und Pflegebereich, Sozialer Arbeit und Kultur, sowie Bildungsbereich der Fall ist.“
Berichte über alle Beiträge der Toleranzgespräche hier: denk.raum.fresach
"Europaforum III - Widerstand und Feindesliebe: Umgang mit Unrecht" mit Ferdinand Kaineder, Peter Fritz, Mina Ahadi, Andrea Mattioli und Arnold Mettnitzer (v.l.n.r.) © Denk.Raum.Fresach / Gerhard Kampitsch
(ps/22.5.2026)

