Kaineder: "Schöpfen wir Mut und stehen auf!"
Vom 12. bis 13. Mai 2026 findet in Würzburg die Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) statt. KAÖ-Präsident Ferdinand Kaineder nimmt daran als Gast teil und betont in seinen Grußworten die gemeinsamen Bemühungen für Dialog und Demokratie.
"Sehr geehrte Versammelte!
Zu allererst herzlichen Dank für die Einladung hierher, für die profunde Orientierung über die Jahre auch für uns in Österreich, die von der Arbeit des ZdK immer wieder ausgeht, gerade auch in Hinblick auf den synodalen Weg und der Suche nach einer „synodale Kirchengestalt“, sozusagen Körpersprache. Danke vor allem auch für die gemeinsame Erklärung ZdK und Katholische Aktion Österreich "Für einen Katholizismus der universellen Menschenwürde". Neo-Integralismus, Rechtsextremismus und Rechtspopulismus sind international und nicht kirchenfern.
Wenn ich hier als Präsident der KAÖ stehe, soll bei allen mitschwingen, dass die KA die offizielle Laienbewegung in Österreich ist und Kinder, Jugend, Frauen, Männer, Arbeitnehmer:innen, Akademiker:innen und Forum Beziehung, Ehe und Familie umfasst. Fast so wie das ZdK, aber strukturell anders.
Wenn ich hier das KA-Dossier „Demokratie leben und gestalten“ herzeige, dann ist das der Tatsache geschuldet, dass menschenrechtsbasierte liberale Demokratie nicht nur in Österreich, sondern global unter Druck geraten ist und unter Druck steht. Wer oder was bedroht sie? Blitzlichter: Eine breite Gleichgültigkeit, das Konsum- und Produktdenken auch der Politik gegenüber, das Missverständnis von Politik als Dienstleisterin. Dann das bewusste Zertrümmern der öffentlichen Diskurs- und Dialogräume, breit ermöglicht durch die algorithmusbasierten Digital-Plattformen. Der Mensch ist dabei, in die „Undinge“ – wie es Byung-Chul Han nennt - also in die Informationen über die Dinge, zu übersiedeln. Digitales kann nicht staunen, nicht schweigen, nicht in Stille verweilen, lässt keine Dankbarkeit aufkommen, ist immer im Produktionsmodus. Die Wahrheitssuche ist dort sekundär, wenn sie überhaupt noch stattfindet. Wirklichkeiten werden geschaffen, nicht wahrgenommen. Auch benennen möchte ich die rasant wachsende Ungleichheit. Es sind Andeutungen.
Was brauchen wir? Ganz sicher eine neue Sachlichkeit, ein Langsamer, an der Wirklichkeit – also nicht an den Undingen – ausgerichtet. Unsere Handlungsprozesse sollten sich durch ein Hinschauen und Hineinfühlen in die Natur sozial-ökologisch-spirituell gestalten, wie es auch in der Enzyklika Laudato Si mit den Worten „alles ist mit allem verbunden“ ausgedrückt wird.
Als KA werden wir in Umsetzung der Anregungen unseres Dossiers Dialogräume aufmachen. „MITUNTER GEGENÜBER“ werden wir sie nennen mit dem Ziel, bewusst und gezielt „blasenübergreifend“ einzuladen und so Widersprüchen Raum zu geben. Ziel ist auch das Aushalten von Widerspruch und gegenteiligen Weltsichten zu trainieren. Wir wollen in die Zwischenräume gehen, auch mit der Gefahr des Scheiterns. Das tun wir in der tiefen Haltung der Gastfreundschaft und dem Grundgedanken, dass „geöffnet“ immer das Stichwort ist, geöffnet auch für das Fremde, das Andere, das Überraschende, das Unverfügbare - für Gott.
Die „Main-Post“ ist mir gestern abends zufällig in die Hände gefallen. Der Kommentator titelt ganz groß: Der Katholikentag kommt zur rechten Zeit. Warum? Es gibt eine Sehnsucht nach Austausch, echter Debatte und Tiefe. Unser Job als ZdK und KA ist auf den Punkt gebracht. Also: Schöpfen wir Mut und stehen wir auf. Danke."
(ps/12.5.2026)
