"Für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung"
Die Katholische Aktion (KA) war mit einer 60-köpfigen Delegation bei der Befreiungsfeier in Mauthausen vertreten und stellte dabei ihr Engagement für den Frieden in den Vordergrund.
Die hochrangige Delegation der KA wurde von Ferdinand Kaineder (Präsident der KA Österreich) und Gabriele Hofer-Stelzhammer (Präsidentin der KA OÖ) angeführt. Beim ökumenischen Gottesdienst wurden die Fürbitten von der Katholischen Aktion gestaltet. Darin hieß es u. a.: „Sieh an die Menschen, die nichts haben als das nackte Leben, die fliehen müssen vor Gewalt, Terror, Hunger und Krieg, die auf der Suche nach einer Zuflucht ihr Leben riskieren. Für sie, für ihre Familien, aber auch für die, die ohne Gewissen Menschen ihren Interessen opfern, bitten wir.“

Beim Gedenkzug trug die KA ein Transparent mit der Aufschrift „Für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ vor sich her und setzte mit bunten Regenschirmen mit der Aufschrift „Frieden, Pax, Peace, Shalom“ ein sichtbares Zeichen für den Frieden. Über 60 Personen sind dem Aufruf zur Teilnahme an der Delegation gefolgt. Beim Einzug auf dem Appellplatz wurde das Lied „Brot und Rosen“ gesungen, ehe die KA-Vorsitzenden als Zeichen der Erinnerung und Wertschätzung der Opfer des Nationalsozialismus am Kenotaph am Appellplatz einen Strauß Rosen und einen Korb Brot ablegten.
Gabriele Hofer-Stelzhammer über ihre Motivation, die Befreiungsfeier in Mauthausen mitzugestalten: „Gerade in Zeiten wie diesen ist das Erinnern, das Gedenken, das Nie-Wieder besonders wichtig. Demokratie stärken, Zusammenhalt und Gemeinschaft fördern sind ganz wichtig und an einem Platz wie diesem sehen wir, wie zerbrechlich eine Gesellschaft sein kann. Wir ehren die Opfer, wir gedenken und wir sind mit vollem Herzen und mit voller Seele hier, damit so etwas Grausames nie mehr wieder geschehen kann.“
Katholische Jugend gestaltet Jugendgedenkzug in Mauthausen mit
Im Rahmen der Feier gestalteten hunderte junge Menschen die Jugendkundgebung im ehemaligen Steinbruch des Konzentrationslagers Mauthausen. Organisiert wurde diese von der Katholischen Jugend Oberösterreich, der Sozialistischen Jugend Oberösterreich und der Gewerkschaftsjugend Oberösterreich. Auch die Katholische Jungschar Österreich war beim Gedenkzug vertreten.

Keno Lothring, Vorsitzender der Katholischen Jugend Oberösterreich, brachte die Herausforderung der Auseinandersetzung mit der Tätergeschichte in seiner Gedenkrede auf den Punkt: „Die Täter und Täterinnen waren keine Monster aus einer anderen Welt. Sie waren Menschen. Nachbarn. Nachbarinnen. Väter. Mütter. Söhne. Töchter. Soldaten. Viele von ihnen haben nicht aus blindem Hass gehandelt, viele haben einfach mitgemacht. Sind mitgelaufen. Haben weggeschaut. Befehle befolgt. Sich gesagt: Es ist nicht meine Verantwortung.“
Er erinnerte daran, dass Historikerinnen und Historiker seit Jahrzehnten untersuchen, wie „gewöhnliche Menschen” zu Täterinnen und Tätern werden – und dass die Antwort erschreckend schlicht ist: „schrittweise“. Durch kleine Zugeständnisse. Durch Schweigen beim ersten Unrecht. Durch die Gewöhnung an das Unnormale, bis es normal erscheint.

Im Anschluss folgte ein stiller Weg: der Aufstieg über die Todesstiege, das Gedenken beim Kinder- und Jugenddenkmal und der internationale Gedenkzug.
Vor dem Denkmal legten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Gerbera Blumen nieder. Jede Blume stand stellvertretend für einen Menschen, der in Mauthausen ermordet wurde. Aus anonymen Opferzahlen wurden für einen Moment einzelne Schicksale sichtbar.
In diesem Rahmen betonte auch Klemens Lesigang, Vorsitzender der Katholischen Jugend Österreich, wie wichtig das gemeinsame Erinnern ist: „Diese Feier ist kein bloßes Gedenken, sondern eine Verpflichtung. Mauthausen führt uns vor Augen, was geschieht, wenn die Würde von Menschen an Bedeutung verliert und demokratische Prinzipien ins Wanken geraten. Wir erleben heute erneut, wie Worte verletzen können, wie Misstrauen geschürt wird und wie schnelle Antworten auf schwierige Fragen an Einfluss gewinnen. Gerade deshalb brauchen wir Orte wie diesen, die uns erinnern, uns mahnen und uns wachhalten. Es kommt auf uns an, aufmerksam zu bleiben und nicht in Gleichgültigkeit zu verfallen. Es kommt auf uns an, Haltung zu zeigen und unsere demokratischen Werte im Alltag zu leben und zu schützen.“
Die Gedenkarbeit der Katholischen Jugend ist historisch gewachsen und untrennbar mit den Erfahrungen des Nationalsozialismus verbunden. Katholische Jugendgruppen wurden verboten und systematisch von der Hitlerjugend verdrängt. Junge Menschen bewegten sich in diesem System zwischen Anpassung, Mitläufertum und – unter hohem persönlichem Risiko – auch Formen des Widerstands, wie ihn etwa Franz Jägerstätter geleistet hat. Diese Ambivalenz blieb lange unzureichend aufgearbeitet.
Erst das Zweite Vatikanische Konzil brachte eine klare Zäsur. Es stieß eine tiefgreifende Selbstprüfung an, öffnete die Kirche zur Gesellschaft und stellte Gewissensverantwortung, Menschenwürde und politische Wachsamkeit ins Zentrum kirchlichen Handelns.
Daraus entwickelte sich ein Selbstverständnis, das bis heute Orientierung gibt: Erinnerung ist kein Rückblick um seiner selbst willen, sondern eine Verpflichtung. Für die Katholische Jugend bedeutet das, die Würde jedes Menschen ins Zentrum zu stellen und dort Haltung zu zeigen, wo Ausgrenzung, Gleichgültigkeit oder Unrecht sichtbar werden.

KA-Delegation gedenkt in Mauthausen
81. Gedenk- und Befreiungsfeier Mauthausen (Katholische Jugend Oberösterreich)
(ps/11.5.2026)
