Ostern als kräftiges solidarisches und friedensstiftendes Lebenszeichen
Orientierung, Weltdeutung und Richtungssinn sind heute mehr gefragt denn je. 65 % der österreichischen Bevölkerung suchen Orientierungspunkte für ihr alltägliches Leben. Die dramatisch wachsende Unübersichtlichkeit und Kompliziertheit technischer Gestaltungsmuster macht es vielen Menschen unmöglich, schlüssige und lebensförderliche Weltdeutungen zu sehen und zu entwickeln. Angst macht sich deshalb breit. Zukunftsgestaltung heißt für viele, das Alte, Bisherige möglichst lange und zum Teil auf Kosten anderer und der ökologischen Basis dieser Welt fortzuführen. Die Sensibilität und der Sinn für eine neue Lebensrichtung wird von Angst und vermeintlicher Existenzbedrohung verstellt. Aufbruch endet meist in der gleichbleibenden Gewohnheit.
Aus diesem Grunde brauchen wir Orte einer neuen convivialen Lebendigkeit, die das Neue nicht nur andeuten, sondern jetzt schon verlebendigen, Orte des Widerstandes gegen die aus allen Ecken kommende Plausibilität von Gewalt und Herrschaftsdenken, Orte gegen offene und verborgene Ausbeutung, Orte gegen die schleichende Entmenschlichung und Verrohung öffentlicher und privater Lebensprozesse, Orte gegen die Vergesslichkeit der urmenschlichen Berufung zu Liebe, Compassion, Empathie und Achtsamkeit. Wir werden nicht umhinkommen, gemeinsame Orte für einen ehrlichen und ungeschminkten Dialog zu „errichten“, Orte für Gespräche entlang von Gegensätzen und Widersprüchen, um die menschenrechtsbasierten liberalen und sozialen Gesprächsräume nicht vertrocknen zu lassen. Wir brauchen Orte, wo Menschen, die etwas bewegen, etwas umsetzen, etwas im Sinne des Gemeinwohls kreieren, Freiraum, Platz und Support bekommen. Aufstehen und mitgehen wird wichtig.
Das jesuanisch-christliche Ostern ist eine gute Zeit dafür, ein kräftiges solidarisches Lebenszeichen unter die Menschen zu bringen, Orientierung zu geben mit der Hauptperson Jesus, die Welt im Lichte der Auferstehung zu deuten. Damit kann und wird das persönliche wie gemeinschaftliche Leben an einer gewaltfreien, solidarischen und angstfreien Zukunft ausgerichtet. Als ganze Gesellschaft brauchen wir diese lebendigen Orte des Glaubens, des Vertrauens in den alle uns tragenden Grund, den die Religionen Gott oder das Göttliche nennen. Christinnen und Christen glauben sicher nicht an einen „katholischen Stammesgott“, sondern an einen Gott aller Menschen, der Erlösung, sprich Befreiung, unterschiedslos für alle Menschen will. Dieser „common ground“ schließt Gewalt, Hass, Gier und Rücksichtlosigkeit gegenüber der Mitwelt und Sündenbockmechanismen kategorisch aus. Dieser common ground ist eine tiefe existentielle und spirituell-solidarische Erfahrung, angedeutet und ermöglicht in den Liturgien. Diese Feiern mögen der Boden sein, der uns mit dem göttlichen Geheimnis verbindet.
Gerade der Gründonnerstag ruft uns in Erinnerung, dass wir im Mahl-halten innehalten, um unsere persönliche Berufung in tiefer vielfältiger Verbundenheit nie zu verlieren. Der Karfreitag erinnert uns daran, dass hier ein Mensch alles Boshafte und Diabolische auf sich genommen hat und den Preis für die Befreiung nicht anderen zugeschoben, sondern mit seinem Leben ein für alle Mal bezahlt hat. Wir sehen ein Sterben, das uns Welt, Tod und Leben neu interpretieren lässt und so Lebenssinn sichtbar macht. Die Grabesruhe am Karsamstag erinnert uns daran, dass Hoffnung und Sinn vor uns liegen. Die Osternacht selber mit den tiefen gemeinsamen Ritualen rund um Feuer, Wasser, Licht in Erinnerung an die Taufe und Brot und Wein als große Danksagung konstituiert das „neue Leben“. Der Ostersonntag krönt die Freude über das auferstandene Leben in vielfältigster, auch sehr oft künstlerischer Weise. Der Emmausgang am Ostermontag öffnet unsere Sinne neu, damit wir das Rettende in den alltäglichen Gesprächen nicht übersehen.
Die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) mit dem vielfältigen Netz an Gliederungen, Initiativen, Gruppen und Organisationen wünscht:
FROHE OSTERN!

