Ferdinand Klostermann und das Laienapostolat
Am 24. Februar 2026 fand die Präsentation des Buches Ferdinand Klostermann und das Laienapostolat. Der Aufbruch damals – die Klerikalisierung heute mit humorvollen, erschütternden und dennoch mit Zukunftshoffnung für das Kirche-Sein gespickten Beiträgen statt; in Kooperation des Katholischen Akademiker:innenverbands der Erzdiözese Wien mit der Katholischen Arbeitnehmer:innenbewegung Österreich.

Am Bild (v.l.n.r.): Karl A. Immervoll, Katharina Renner, Emmerich Tálos, Anna Wall-Strasser, Paul M. Zulehner © Sarah Brunner
Von Ferdinand Klostermanns Wirken konnten der Herausgeber und Student bei Klostermann Karl Immervoll, sowie der damalige Assistent an der Wiener Theologischen Fakultät/Pastoraltheologie Emmerich Tálos aus erster Hand berichten.
Tálos beschrieb Klostermann als überaus liebenswürdigen und bescheidenen Menschen, der mit wissenschaftlicher Ernsthaftigkeit eingefahrene Bahnen in der katholischen Kirche hinterfragte. In seinen Privatissima war er für die jungen Theologen Tálos, Kirchmayr und Immervoll u.a. ein Gesprächspartner mit großer Offenheit, Neues zu denken, wie sie keinen unter den anderen Professoren fanden.
Der “Feuergeist”, Pastoraltheologe und Konzilsmitarbeiter im Auftrag Kardinal Königs, Ferdinand Klostermann war ein Visionär, der an einer gemeinsamen Kirche aller Getauften arbeitete. Klerikalismus kritisierte er scharf.
Für Klostermann war der christliche Glaube ein "Programm stetiger Veränderung", ein apostolischer Auftrag, zu dem alle getauften Menschen in geschwisterlicher Liebe berufen sind. Alfred Kirchmayr schreibt in seinem Buchbeitrag ganz im Sinne von Klostermann, dass die Aufgabe von Religion, die beständige Unterstützung im Menschlich-Werden sei, also im sozialen Zusammenleben im Kleinen wie im Großen. Für Klostermann widerspricht jegliche Form von Klerikalismus und Herrschaftsstreben der befreienden Botschaft Jesu.
Die Überzeugung, dass christliche Mündigkeit statt klerikaler Herrschaft unsere Kirche prägen solle, ja müsse, war wohl der Impetus für Immervoll und Kirchmayr auf Ferdinand Klostermann - und sein noch aufzuarbeitendes Gesamtwerk – wieder aufmerksam zu machen und in dem gut lesbaren Buch mit Beiträgen zu gegenwärtigen Herausforderungen in Kirche und Gesellschaft zu ergänzen.
Damit setzt sich auch der Beitrag der jungen Theologin und Soziologin Katharina Renner auseinander. Sie begrüßt die Ansätze des Zweiten Vatikanums, stellt aber beständig zum Konzilsdokument "Apostolicam actuositatem" die Frage "Wer ist eigentlich Laiin/Laie". Obwohl der Text damals ein Meilenstein war, lässt er die junge Theologin Renner heute ein wenig ratlos zurück: Findet sie doch Wertschätzung und Eingrenzung nebeneinander. Für sie steht fest, dass „Laiinnen und Laien durch Taufe und Firmung berufen sind zum priesterlichen, prophetischen und königlichen Dienst“.
Paul M. Zulehner, gleichsam doppelt Nachfolger von Klostermann (auf dem Lehrstuhl für Pastoraltheologie in Wien und als Geistlicher Assistent der Katholischen Aktion Österreichs), bezeichnet Klostermann als „Zeitenwender“, denn er habe sich für eine kirchliche Zeitenwende leidenschaftlich engagiert. Wenngleich er aus heutiger Sicht Klostermann eine gewisse weltvergessene kirchenzentrierte liberale Theologie zuschreibt, die er als „Gemeindetheologie der Reichen“ benannte.
Mit Dank an die durchaus kontroversiellen Erinnerungen, und die Benennung gegenwärtiger Herausforderungen unseres Kircheseins beschloss die KABÖ Vorsitzende Anna Wall-Strasser den Abend und meinte, im Umgang mit den Menschen vor allem die Frage zu stellen „Was hätte Jesus heute getan?“ könnte das menschliche Antlitz der Kirche verstärken.
Das Buch ist ab sofort im Buchhandel erhältlich.
Karl A. Immervoll / Alfred Kirchmayr (Hg.)
Ferdinand Klostermann und das Laienapostolat
Der Aufbruch damals – die Klerikalisierung heute
Edition R3, Rutzenmoos 2025
ISBN 978-3-903239-13-5
Ferdinand Klostermann (1907–1982) studierte in Linz Theologie und wurde 1929 zum Priester geweiht. 1960 wurde er zum Mitglied der päpstlichen Kommission für das Laienapostolat beim Zweiten Vatikanum ernannt und trat 1962 die Professur für Pastoraltheologie an der Universität Wien an, die er bis zu seiner Emeritierung 1977 innehatte.
Karl A. Immervoll (* 1955) und Alfred Kirchmayr (* 1942) waren während der letzten Lebensjahre Klostermanns seine Schüler und Wegbegleiter am Pastoraltheologischen Institut der Universität Wien: Kirchmayr gestaltete als Assistent und Lektor gemeinsam mit Erwin Ringel pastoralpsychologische Vorlesungen. Immervoll, damals Jugendarbeiter in der Drogenszene, holte sich am Institut Rüstzeug und Inspiration für sein Engagement in der Arbeiter:innenpastoral.
(ps/26.2.2026)
