Rechtsextremismusbericht beleuchtet auch christlichen Fundamenalismus
Die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) begrüßt, dass sich das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) in seinem Bericht „Rechtsextremismus in Österreich“ über das Jahr 2024 auch mit religiösen Fundamentalismen befasst. Damit werden Aktivitäten christlicher Fundamentalisten neben der Kommentierung durch die theologische Forschung durch ein weiteres Forschungsinstitut wissenschaftlich unter die Lupe genommen. KAÖ-Präsident Ferdinand Kaineder sieht sich in seinem im September 2025 anlässlich des Tages der Demokratie geäußerten Warnruf bestätigt. Damals erläuterte die KAÖ die Gefahr, die von ultrakonservativen Katholiken und Vertretern des Neo-Integralismus ausgingen und die es darauf anlegten, liberale Demokratien zu unterwandern.
„Wir sind dem Dokumentationsarchiv dankbar, dass sie in ihrem Bericht den Bündnissen zwischen Rechtskatholizismus und völkischem Rechtsextremismus besondere Aufmerksamkeit widmet“, betont Kaineder. „Weil die Debatte um den katholischen Neo-Integralismus im deutschsprachigen Raum 2024 Fahrt aufgenommen hat, gerade auch in der medialen Berichterstattung, halten wir mit dem im Bericht zitierten James M. Patterson klar fest, dass der Begriff Neo-Integralismus eine Ideologie bezeichnet, die auf die Unterwerfung des Staates unter die indirekte Autorität der katholischen Kirche abzielt. Das lehnen wir aus theologischen wie auch demokratischen Gründen ab. Als Katholische Aktion stehen und arbeiten wir für menschenrechtsbasierte, liberale Demokratie und Gesellschaftsgestaltung.“
Der vorliegende Bericht zeigt auf, wie ungeniert diese Initiativen Christ:innen für ihre rechtspopulistische Agenda vereinnahmen. „Sogar kirchliche Lehre und Theologie werden von rechtskatholischen Vereinigungen mit ideologisch befeuerten Privat-Interpretationen der Katholischen Soziallehre missachtet und desavouiert. Das ist im Rechtsextremismusbericht nach Untersuchung von Veröffentlichungen und Veranstaltungen christlicher Fundamentalisten deutlich dargestellt“, weist Kaineder auf die Haltung der untersuchten Gruppen zur Katholischen Kirche hin. Mit großer Besorgnis beobachtet die Katholische Aktion auch die Kollaboration zwischen sich christlich bezeichnenden Vereinigungen mit der identitären Bewegung von Martin Sellner, die rassistisch und menschenverachtend auftritt und ihren Worten und Taten vor Gewaltanwendung nicht zurückschreckt.
Der Rechtsextremismusbericht des DÖW liefert einen wichtigen Beitrag auch zur innerkirchlichen Auseinandersetzung mit christlichem Fundamentalismus. „Als Katholische Kirche müssen wir wachsam sein und mit vereinten Kräften nach innen wie auch nach außen aktiv sein, um dem rechtsextremistischen Treiben, der auf der Spur Jesu Christi herumtrampelt, statt ihr zu folgen, in aller Deutlichkeit entgegenzuwirken“, betont das Präsident:innen-Team der KAÖ.
(rp/23.02.2026)
