Ein deutliches "Nein" sagt die Sprecherin des Forums "Arbeit, Wirtschaft, Soziales" der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ), Christa Ellbogen, zu einer "Totalen Ladenöffnung", wie sie von Finanzminister Grasser in einem Interview in der ersten Ausgabe der neuen Tageszeitung "Österreich" gefordert wird.
Besonders irritiert zeigt sich Ellbogen über die Ankündigung Grassers die Sonntagsöffnung umzusetzen, wenn der Wähler den Auftrag dazu erteilt. "Woraus der Finanzminister bei einer Nationalratswahl eine derartige Auftragserteilung erkennen will, ist mir schleierhaft", so die Sprecherin des Forums. "Finanzminister Grasser täte gut daran, wenn er sich nicht nur als Katholik bezeichnete, sondern auch zentrale Grundlagen der Katholischen Soziallehre eingehender studierte. Hier wie auch in zahlreichen päpstlichen Schreiben wird eindeutig der Vorrang des Menschen vor den Interessen der Wirtschaft betont".
Als besonderen Affront sieht Ellbogen die Überlegung, die kommenden Adventsonntage als Probegalopp für die Ladenöffnungszeiten zu nehmen. Der Vorrang der Wirtschaftsinteressen gegenüber dem eigentlichen Gedanken des Advents - nämlich eine besinnliche Vorbereitungszeit auf das Fest der Geburt Jesus zu sein - sei jetzt schon fast unerträglich. "Offene Geschäfte an den Adventsonntagen bringen die Menschen um die letzten Möglichkeiten, sich noch gemeinsam auf das Weihnachtsfest vorzubereiten". Nicht die maximale Flexibilität der Menschen und der Katholischen Kirche sei gefragt, sondern ein menschenwürdiges Leben, das sich in erster Linie gerade nicht den Interessen der Wirtschaft unterzuordnen hat.
Neben dem ständigen Ruf nach "Flexibilisierung" gäbe es leider auch noch andere Anzeichen, wie gering die Relevanz der Katholischen Soziallehre in der aktuellen Politik der immerhin von einer christlichen Partei dominierten Regierung sei, konstatiert Ellbogen und führt als Beispiele die Wünsche des Finanzministers nach Abschaffung der Erbschafts- und Schenkungssteuer sowie der Abschaffung der betrieblichen Mitbestimmung an.
Erbschafts- und Schenkungssteuer könnten wichtige Instrumente der Umverteilung darstellen, betont Ellbogen. Sie gehörten daher nicht abgeschafft, sondern zumindest auf europäisches Durchschnittsniveau angehoben. Gleiches gelte für die Besteuerung von Stiftungen. Die Politik müsse verhindern, dass die Reichen immer reicher werden - während die Armen immer ärmer werden. Politik habe die Pflicht, für Solidarität und Umverteilung zu sorgen, dass alle am Reichtum der Gesellschaft teilhaben können.
"Auch die betriebliche Mitbestimmung trägt einen wesentlichen Teil dazu bei, dass Menschen nicht zu Maschinen werden, sondern ein menschenwürdiges Arbeiten - auch mit unternehmerischem Geist - möglich sei," weiß Ellbogen aus jahrzehntelanger eigener Erfahrung. Betriebliche Mitbestimmung bringe Vorteile sowohl für ArbeitgeberInnen als auch für ArbeitnehmerInnen. Die Forderung nach ihrer Abschaffung zeuge von einem vollkommen falschen Verständnis vom Zusammenleben und -arbeiten der Menschen.
Es sei bedauernswert - so Christa Ellbogen abschließend - wenn ein Mitglied der Regierungsmannschaft derartige Forderungen im Wahlkampf äußere. Dies lasse befürchten, dass Teile der ÖVP bereits weit von einer christlichen Grundhaltung entfernt seien.