Das historische Gedächtnis Europas verpflichtet
Einstimmiger Beschluss der Frühjahrskonferenz der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ)
In religiösen Bekenntnis-Auseinandersetzungen sollen niemals wieder Gewalt und gegenseitige Feindbilder zugelassen werden. - KAÖ-Konferenz fordert Bekenntnis zu den europäischen Grundwerten und Toleranz und Respekt im Umgang mit religiösen Bekenntnissen.
Seit vielen Wochen hält der sogenannte "Karikaturenstreit" die Welt in Atem. Wir sind bestürzt darüber, welche Folgen dieser Konflikt für das Verhältnis zwischen Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlicher religiöser bzw. weltanschaulicher Prägung weltweit und in Europa hat. Das friedliche und respektvolle Zusammenleben mit mehr als 15 Millionen Muslimen in Europa ist ein hoher Wert, der nicht aufs Spiel gesetzt werden darf.
Für ein friedliches Zusammenleben ist das unzweifelhafte Bekenntnis zu den Grundwerten Europas ebenso notwendig, wie es Dialogbereitschaft und die Integrationswilligkeit von Migrantinnen und Migranten braucht. In einer zusammenwachsenden Welt muss alles getan werden, um einen "Kampf der Kulturen" zu vermeiden; er würde allen Menschen schaden und den Frieden bedrohen. Das historische Gedächtnis Europas verpflichtet dazu, in religiösen Bekenntnis-Auseinandersetzungen niemals wieder Gewalt und gegenseitige Feindbilder zuzulassen.
Wir verurteilen alle Gewaltakte und Aufrufe zur Gewalt, wie sie in islamischen Ländern aus Protest gegen die dänischen Mohammed-Karikaturen erfolgt sind und leider weiter erfolgen. Wir wenden uns gegen alle Versuche islamischer Staatsführungen, die durch die Mohammed-Karikaturen verletzten religiösen Gefühle politisch zu instrumentalisieren.
In säkularen Gesellschaften bedeutet Meinungsfreiheit auch Freiheit zur Religionskritik, aber ebenso Freiheit zur Kritik an den Kritikern. Toleranz ist keine Einbahnstrasse. Presse- und Meinungsfreiheit müssen verantwortungsvoll gehandhabt werden. Sie rechtfertigen nicht, das religiöse Bekenntnis einer Bevölkerungsgruppe absichtsvoll zu verletzen.
Die Wahrung des inneren Friedens war und ist ein Kriterium verantwortungsvoll wahrgenommener Pressefreiheit. Gewalt beginnt nicht erst bei Folter und Mord. Auch das bewusst verletzende Wort oder Bild ist eine Form von Gewalt und kann Vorstufe physischer Gewalt sein, wie uns die europäische Geschichte vor dem Zweiten Weltkrieg gezeigt hat.
(St. Pölten, am 24. Februar 2006)










