... und ereignet sich mitten in der Gesellschaft
Formen von Gewalt
Beschimpfen, Vergewaltigen, Schlagen, Einsperren, Bedrohen, Abwerten, krankhafte Eifersucht, Kontrolle, Entzug von Geld, Zerstören von Eigentum, Quälen von Haustieren, Verweigerung notwendiger Pflege, Vernachlässigung, usw.
Gewalt hat viele Gesichter
Kinder, die sich vor dem jähzornigen Vater oder der schlagenden Mutter fürchten, Partnerinnen, die von ihren Männern abgekanzelt werden, Frauen die von ihren Vorgesetzten zu "Gefälligkeiten" gezwungen werden, Waffen an Schulen, Jugendkrawalle in Vorstädten: Gewalt hat viele Gesichter und viele Orte. Sie ist nicht auf bestimmte Gruppen beschränkt, sondern ereignet sich mitten in der Gesellschaft, auch ganz in unserer Nähe.
Doch wir sind ihr nicht hilflos ausgeliefert, Mann/Frau/Jugendlicher kann etwas dagegen tun. Der Einzelne, die Gesellschaft, die Wirtschaft und vor allem die Politik ist gefragt.
Es braucht Zivilcourage und es braucht Strukturen, die Gewalt weder produzieren noch provozieren und einen veränderten Umgang miteinander ermöglichen.
Gewalt in familiären Beziehungsgefügen umfasst jede Form des körperlichen, sexuellen, verbalen und seelischen Übergriffes. Entscheidendes Merkmal einer Gewalthandlung ist immer die damit verbundene Bedrohung.
So ist das Schimpfen eines zornigen Kindes gegenüber den Eltern sicher keine Gewalthandlung, sehr wohl aber das Schimpfen eines Mannes im Jähzorn gegenüber seinem Kind oder seiner Frau.
Gewalt in Partnerschaften manifestiert sich in erster Linie als Gewalt von Männern gegen Frauen, Elterngewalt wird von Müttern und von Vätern ausgeübt. Bei schwerer körperlicher und sexueller Gewalt gegenüber Kindern dominieren allerdings männliche Täter.
Gewalt ist eine Frage der Einstellung
Gewalt in jeder Form ist die Folge unterschiedlicher Machtverhältnisse und der Vorstellung, dass jener, der mehr Macht hat, auch das Recht hat, sich mit Gewalt durchzusetzen.
Diese Vorstellung wurzelt überwiegend in Rollenbildern, die der Frau Unterordnung zuschreiben und dem Mann Herrschaft, Konkurrenz und Aggression. Daraus kann leicht der Irrglaube erwachsen, Gewalt sei ein berechtigtes Mittel, die hierarchische Ordnung im persönlichen Umfeld aufrecht zu erhalten oder wieder herzustellen. Verstärkt werden diese Überzeugungen durch überkommene Familien- und Erziehungsvorstellungen, durch ausgeprägtes Besitzdenken, die Meinung ein Verfügungsrecht über Frauen und Kinder zu haben, starres Festhalten an geschlechtsspezifischen Aufgabenverteilungen und eine rigorose Erziehung.
Gemäß der Überzeugung, dass ein Mann stark und hart zu sein hat, werden Buben oft härter angefasst. Von Mädchen hingegen wird erwartet, sich "lieb" und angepasst zu verhalten. Untersuchung bestätigen, dass gerade Mädchen und Frauen, die in der Familie nicht auch das Nein-Sagen gelernt haben, vermehrt zu Opfern sexueller Gewalt werden. Wer meint, die Familie habe sich den Bedürfnissen des Mannes unter zuordnen, wird ihm auch alle Rechte zugestehen, bis hin zum jederzeitigen freien Zugriff auf den Körper der Frau.
Gewalt isoliert und zerstört
Kennzeichnend für Beziehungen, in denen Gewalt vorkommt, ist sehr oft die soziale Isolation der Opfer. Die Täter kontrollieren den Freundeskreis der Partnerin bzw. des Kindes und verbieten bestimmte Beziehungen.
Sie isolieren ihre Opfer auch, indem sie die Außenkotakte (z.B. zur Schule oder zum Arzt) selbst wahrnehmen. Die Opfer werden verunsichert, fühlen sich unverstanden und ziehen sich immer mehr zurück. Demgegenüber sind die Täter oft gut im öffentlichen Leben (z. B. in Vereinen) verankert. Allerdings gibt es auch Täter, die sich selbst mit ihren Opfern isolieren.
Gewalt ist immer zerstörerisch und behindert Menschen in ihren Entfaltungs- und Lebensmöglichkeiten. Sie kann sowohl die direkten Opfer von Gewalthandlungen als auch deren ZeugInnen traumatisieren. Kinder, die das Martyrium ihrer Mütter erleben, leiden genauso wie diese unter Angst und Ohnmacht.
Die Verhaltensmuster von Gewaltopfern sind nicht Persönlichkeitsmerkmale sondern Reaktionen auf die außergewöhnliche Situation. Für Außenstehende verhalten sie sich oft irrational und unverständlich - ihr Verhalten folgt aber immer einer Logik, die in engem Zusammenhang mit dem Gewaltgeschehen steht und die das Überleben sichern soll.
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