Die Katholische Aktion (KAÖ) hat den Vorstoß von Wissenschaftsministerin Beatrix Karl, ein "Gymnasium für alle" 10- bis 14-jährigen einzurichten, begrüßt. In einer Stellungnahme gegenüber "Kathpress" am Donnerstag erklärte KAÖ-Präsidentin Luitgard Derschmidt, eine solche "inklusive Schule" sei ein "wichtiger Beitrag zu mehr sozialer Gerechtigkeit".
Welchen Namen man der Einrichtung letztlich gebe, sei dabei "egal". Studien würden immer wieder belegen, dass in Österreich Bildung zu einem hohen Ausmaß "vererbt" wird und Kinder aus bildungsfernen Bevölkerungsschichten deutlich geringere Aufstiegschancen hätten. "Das muss sich dringend ändern", sagte Derschmidt. Freilich brauche es dafür Schulen, die auf die Bedürfnisse der Schüler eingehen und allen bestmögliche Voraussetzungen zu einer ganzheitlichen Entwicklung bieten. Für entsprechende bauliche, personalpolitische und ausbildungsbezogene Weichenstellungen dürfe es auch in Krisenzeiten nicht an Geld mangeln, so Derschmidt.
Die Katholische Aktion tritt seit längerem für eine breite Diskussion über eine Reform des österreichischen Bildungssystems "jenseits ideologischer Scheuklappen" ein. Der Fokus müsse dabei auf dem Wohl der Kinder und Jugendlichen liegen und nicht auf dem "Zufriedenstellen einer parteipolitischen Klientel", sagte Derschmidt.
Vor diesem Hintergrund hatte die KAÖ kürzlich auch die Abschaffung der Sonderschulen in Österreich gefordert und stattdessen die Durchsetzung einer "inklusiven Pädagogik" im Bildungswesen verlangt. Auch in ihrer Broschüre "Auf dem Weg zur gerechten Schule" hatte die Katholische Aktion "höchstmögliche innere Differenzierung" statt äußerer Selektion gefordert. Es gehe darum, "allen Begabungen gerecht zu werden" und die Eigenverantwortung der Schüler zu fördern.
Pröll relativiert: "Einzelmeinung"
In der ÖVP formiert sich indes Widerstand gegen den Vorstoß der eigenen Ministerin: Parteichef Josef Pröll betonte, dass Karls Wunsch nach einem "Gymnasium für alle" nicht als "Schwenk in Richtung Gesamtschule" zu sehen sei. Es handle sich vielmehr um die "persönliche Meinung" der Wissenschaftsministerin. Diese werde "eingebaut in die Diskussion in der ÖVP über ein neues Bildungskonzept, die nicht zu Ende ist", so Pröll. Geharnischte Kritik an Karl äußerten die ÖVP-nahen Lehrergewerkschafter; die Rede war von einem "ausgesprochenen Skandal".
SPÖ-Unterrichtsministerin Claudia Schmied dagegen zeigte sich "sehr erfreut" über die in Bewegung geratene Bildungsdiskussion. Sie fühle sich darin bestärkt, 2007 den Schulversuch "Neue Mittelschule" durchgesetzt zu haben.
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