(KAP) KAÖ-Präsidentin begrüßt diesjährigen Fokus auf Jugend - Erinnerung an Gräuel des NS-Terrors muss wachgehalten, Zivilcourage auch für heutige Herausforderungen gefördert werden
Die Mauthausen-Gedenkfeiern am kommenden Wochenende sind heuer "besonders wichtig": Die Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ), Luitgard Derschmidt, begrüßte vor dem Hintergrund, dass es im Vorjahr im Lager Ebensee zu einer Brüskierung ehemaliger KZ-Häftlinge durch jugendliche Neonazi-Provokationen gekommen war, den diesjährigen Fokus auf Jugend. Die internationale Gedenk- und Befreiungsfeier in Mauthausen ist heuer dem Thema "Kinder und Jugendliche im KZ-Mauthausen" gewidmet. Die Erinnerung an die Gräuel des NS-Terrors müsse von jeder Generation wachgehalten, Zivilcourage auch für heutige Herausforderungen gefördert werden, betonte Derschmidt. Die Katholische Aktion ist wie auch die Katholische Jugend Österreichs im Vorstand des Mauthausen Komitees vertreten.
Derschmidt erinnerte auch an die - erst nachträglich relativierte - Forderung der FPÖ-Präsidentschaftskandidatin Barbara Rosenkranz nach "Meinungsfreiheit" hinsichtlich NS-Verbrechen, um zu unterstreichen, dass Anlässe wie die Mauthausen-Gedenkfeiern als "mahnendes Zeichen" hochzuhalten sind. Dass im "dunkelsten Kapitel unserer Geschichte Menschenwürde mit Füßen getreten" wurde, dürfe nie in Vergessenheit geraten, so die KAÖ-Präsidentin.
Bei der österreichischen Jugend ortete sie "schwindendes Bewusstsein über die Grausamkeiten des nationalsozialistischen Regimes". Dem gelte es gezielt entgegenzusteuern. Derschmidt nannte Zivilcourage und Empfindlichkeit gegenüber Menschenrechtsverletzungen "grundlegende Kulturtechniken der Menschlichkeit", die von klein auf eingeübt werden müssten und sich im Alltag jedes einzelnen - "auch am Stammtisch oder in der Sauna" - bewähren sollten.
Derschmidt wies auch auf den engen Zusammenhang zwischen einem hohen Demokratiebewusstsein und der Resistenz gegenüber rechtsradikalem Gedankengut hin. Wer die Demokratie und ihre Instrumente zu schätzen gelernt habe, sei "gegenüber dem Maulheldentum oder aber den Einflüsterungen von rechts immun".
Die Katholische Aktion wolle nicht nur appellieren, sondern auch initiativ werden: Derschmidt kündigte eine Zivilcourage-Enquete an, die Anfang November im Parlament stattfinden soll. Beteiligt an den Vorbereitungen seien neben Nationalratspräsidentin Barbara Prammer auch die Katholische Jugend und der Katholische Akademikerverband.
Gottesdienst am jüdischen Denkmal in Mauthausen
Die Mauthausen-Gedenkfeiern am 9. Mai beginnen um 9.30 Uhr mit einem ökumenischen Wortgottesdienst, zelebriert am jüdischen Denkmal vom Linzer Altbischof Maximilian Aichern, dem griechisch-orthodoxen Metropoliten Michael Staikos und der evangelisch-lutherischen Oberkirchenrätin Hannelore Reiner. Für die musikalische Gestaltung sorgen der Chor der Pfarre Mauthausen und das Ensemble "Musica Viva". Es folgen Ansprachen durch den oberösterreichischen Landeshauptmannstellvertreter Josef Ackerl und den Bundesvorsitzender der Freiheitskämpfer Österreich, Ernst Nedwed, eine internationale Jugendkundgebung und ein Gedenkmarsch über die Todesstiege. Geplant ist auch die Präsentation eines Antrags an die Europäische Union für "Koordinierte Maßnahmen zur Bekämpfung des Rechtsradikalismus in Europa" durch den Vorsitzenden des Mauthausen Komitees Österreich, Willi Mernyi.
Zusammen mit Christa Bauer gab Mernyi jüngst das Buch "Rechtsextrem - Symbole, Codes, Musik, Gesetze, Organisationen" heraus, das besorgniserregende Entwicklungen unter Österreichs Jugendlichen aufzeigt.
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