Der Machtproblematik sei neben dem Thema Sexualität auch in einer Umfrage höchste Priorität eingeräumt worden, die die Katholische Aktion über die von ihr eingerichtete Homepage www.engagieren-statt-resignieren.at durchführte. Die Homepage gebe die Möglichkeit zu formulieren, warum die Kirche trotz ihrer akuten Krise unverzichtbar für die Gesellschaft ist und zugleich auch klar zu deklarieren, wo Handlungs- und Reformbedarf besteht, so Derschmidt.
Sie bedauerte, dass es noch immer Würdenträger in der Kirche gebe, "die sich aus Angst, dass durch einzelne Amtsträger die ganze Kirche beschädigt wird, nicht zu Verfehlungen, Gewalthandlungen und falschen Entscheidungen bekennen können". Dabei könnten Menschen differenzieren und verstünden durchaus, dass sich pädagogische Vorstellungen hinsichtlich der Gewalt in den vergangenen Jahrzehnten sehr veränderten.
Die KAÖ-Präsidentin forderte auch, die Lebenserfahrung der Laien in der Kirche stärker zu berücksichtigen. Wenn die Kirche nun als "Täterinstitution" dastehe, bedürfe es für Krisenbewältigung und Erneuerung der Laien. "Gerade in diesen Fragen sind die Stimmen der Laien, der vielen gläubigen Frauen und Männer jeglichen Alters zu hören", so Derschmidt.
Kein "Parteienhickhack" über Missbrauch
Dass über Kindesmissbrauch auch im Nationalrat debattiert wird, nannte die KAÖ-Präsidentin "begrüßenswert", so lange diese Thematik nicht Anlass für ein "Parteienhickhack" sei, was "erneut ein Missbrauch der Opfer" wäre. Das Thema sei ein "gesamtgesellschaftliches Problem" und müsse somit umfassend in den Blick genommen werden - gerade auch der bisher fast "übersehene" Missbrauch von Mädchen.
Das heißt laut Derschmidt aber nicht, dass sich die Kirche aus ihrer Verantwortung stiehlt. Viele kirchliche Amtsträger hätten sich mittlerweile zu dieser Verantwortung bekannt. "Das ist ein großer Fortschritt im Vergleich zur Vergangenheit", betonte Derschmidt: "Opfer werden ernst genommen und stehen im Vordergrund." Dass sich die Kirche darüber hinaus noch den genannten Grundsatzfragen Macht und Sexualität widmet, dazu könnten auch Politik und Öffentlichkeit willkommene Anstöße von außen geben.
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