Pflegenotstand
Der Pflegeskandal wächst sich zu einem politischen Skandal ersten Ranges aus, stellte Luitgard Derschmidt, Präsidentin der KAÖ anlässlich der täglich neuen Enthüllungen von Ungeheuerlichkeiten fest. Es sei grotesk und menschenverachtend, wenn demgegenüber behauptet werde, es gebe keinen Pflegenotstand, es sei nur ein politisches Sommerthema. Das ist die Fortsetzung der Vogel-Strauß-Politik, die bisher betrieben wurde.
Während Politiker aller Parteien sich in bester Wahlkampfmanier zu positionieren versuchen, werden die Betroffenen für die Illegalität ihres Handelns überfallsartig bestraft. Es soll hier nicht der Illegalität das Wort geredet werden, aber die Schwarzarbeit im Pflegebereich ist seit einem guten Jahrzehnt bekannt und wurde seitens der Politik bisher stillschweigend akzeptiert.
Es scheint, als hätten Politik und Sozial-Administration sehenden Auges in Kauf genommen, (oder etwa gar darauf gehofft?), dass Pflegebedürftige und Pflegerinnen im illegalen Raum den anstehenden Pflegebedarf abdecken und niemandem auffällt, dass die Verantwortlichen es verabsäumen, rechtzeitig und vorausschauend zu agieren. Eine naive Wunschvorstellung, wie sich jetzt zeigt.
Auch wenn die Pflege innerhalb des Familienverbandes den Wünschen der meisten Menschen entspricht, so muss diese auch finanziell und psychisch leistbar sein.
Entsprechende Pflege ist eine Frage der Menschenwürde. Diese Menschenwürde zu garantieren sei Aufgabe der Politik. Dazu ist es nötig rechtliche Rahmenbedingungen für eine qualitätsvolle und finanzierbare Pflege zu schaffen.
Langfristig fordert die KAÖ:
1. Es braucht gesamtösterreichische Standards und Lösungen, daher einen Gipfel mit allen Verantwortlichen aus Bund, Ländern und NGOs.
2. Detaillierte Erhebung des Status Quo und des tatsächlichen Pflegebedarfs.
3. Implementierung von bundesweiten Qualitätsstandards in der Pflege.
4. Entwicklung eines Angebots für Beratung, Begleitung und psychologische Betreuung von Angehörigen.
5. Imagekampagne für Berufsbilder aus dem Pflegebereich
Als dringende Sofortmaßnahmen in der jetzigen Situation sind u.a. erforderlich:
1. Legalisierung und/oder Verzicht auf Strafverfolgung der betroffenen Personen um sinnvollen weiteren Maßnahmen und Analysen den Weg zu ebnen.
2. Schulungen von derzeit aktiven Kräften, Ausweitung des Ausbildungsangebotes.
3. Anreize für in verwandten Berufen tätigen Personen um in den Pflegedienst zu wechseln.
Damit eine so wichtige Frage nicht als Wahlkampfthema missbraucht werden kann, fordert Derschmidt abschließend, anstelle von unüberlegten "Schnellschüssen", noch im September parteiübergreifend einen zwischen Bund und Ländern abgestimmten Fahrplan festzulegen um endlich zu vernünftigen, sachlichen und den Bedürfnissen aller Betroffenen entsprechenden langfristigen Lösungen zu kommen.
Wien, am 11. August 2006
| herta | 07.07.2007 12:12 | antworten | |
| Der Pflegenotstand in Österreich wird schon zu lange ignoriert. Anstatt zu handeln veranstaltet man eine Menschenhatz gegen die Raucher.Unter welchen Bedingungen und Bezahlung Pflege und Betreuungskräfte arbeiten davon wollen die Politiker nichts wissen. Die größte Schufterei müssen die Hilfskräfte erledigen. Wir werden uns noch wundern wohin uns diese Ignoranz noch führen wird. | ||










