Eine Vielzahl an falschen Signalen. - KAÖ befürchtet Diskriminierung Behinderter...
Die Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich, Dr. Luitgard Derschmidt äußerte sich gestern bestürzt über die möglichen Folgen des OGH-Urteils betreffend die Arzthaftung bei Geburt eines behinderten Kindes. "Abgesehen davon, dass ein Kind niemals ein Schadensfall sein kann", so Derschmidt, "werden dadurch behinderte Menschen diskriminiert und somit gegen den Gleichheitsgrundsatz verstoßen." Hier stünde nicht die Straffreiheit Fristenregelung zur Debatte, sondern das zweifelhafte Recht auf Tötung eines Menschen wenn eine Behinderung zu erwarten ist. Es sei zu fragen, so Derschmidt, ob es überhaupt so etwas geben kann wie das Recht auf ein gesundes Kind.
Allen Eltern sei ein gesundes Kind zu wünschen, jedoch sei die Gesellschaft gefordert, so Derschmidt, Rahmenbedingungen zu schaffen, in der auch unter den überaus schwierigen Bedingungen einer Behinderung die Eltern und das Kind selbst ein gutes und glückliches Leben führen könnten. Das OGH-Urteil und vor allem seine Folgen müssten genau durchdacht werden. Letztlich stellt sich die Frage, wer auf welcher Grundlage entscheidet, was "lebenswertes Leben" ist, welches Kind am Leben bleiben darf und was Eltern "zumutbar" sei.
Die Zurückweisung von kritischen Stimmen durch den OGH mit dem Argument der "rechtsethischen Argumentation" führten zur Frage, ob Ethik in Belangen des Lebens keinen Platz mehr haben dürfe, so Derschmidt - eine rein dogmatische Sichtweise der Rechtslage führt zur Rechtssprechung ohne ethische Grundlagen, was Derschmidt als sehr bedenkliche Entwicklung einstuft.
Die größte Dramatik ortet Derschmidt jedoch am Wunsch nach dem perfekten Menschen bzw. Kind. Behinderung ist etwas, das nicht sein darf - am besten "erledigt" man das "Problem" gleich vorgeburtlich. Das Signal an die vielen behinderten Menschen in Österreich, die oft unter Schwierigkeiten aber dennoch als glückliche und wertvolle Mitglieder der Gesellschaft leben ist eindeutig: "eigentlich bist Du ein Schadensfall!"
"Auch die Folgen dieses Urteil für das Arzt-PatientInnen-Verhältnis sind bedenklich und tragen sicher nicht zu Verbesserung desselben bei," befürchtet Derschmidt weiter. Jede Art von Menschlichkeit, Einfühlsamkeit und individuelle Begleitung würden zur Gefahr für die Ärzte, die sich verständnisvolles Eingehen auf die Situation ihrer Patientinnen schlichtweg nicht mehr leisten könnten. Das Urteil würde wohl zu einer weiteren Bürokratisierung führen und das Arzt-Patienten-Gespräch durch das Bemühen belasten, juristisch unangreifbar zu agieren.
"Das Urteil setzt aus unserer Sicht viele Signale in eine falsche Richtung", schließt Derschmidt. Sie sieht es als dringend geboten, diese Fragen ernsthaft zu bedenken und klar zu stellen welche Konsequenzen im Letzten sich daraus ergeben. "Es braucht Sensibilität und Wachsamkeit, wenn Wege eingeschlagen werden, die einem humanen und christlichen Menschenbild entgegenstehen und unsere Gesellschaft kälter und härter machen, weil in ihr ganze Menschengruppen einfach keinen Platz mehr haben sollen."
Wien, am 14. Juli 2006










