Europa: Bischöfe "bestürzt" über Beschluss zur Embryonenforschung
Die "Kommission der Bischofskonferenzen des
EU-Raumes" (ComECE) ist "bestürzt", dass das Europäische Parlament
die Instrumentalisierung und Zerstörung menschlicher Embryonen
unterstützt. ComECE-Generalsekretär Msgr. Noel Treanor betonte im
Hinblick auf den Beschluss des Europäischen Parlaments über das 7.
Forschungsrahmenprogramm, die Bischöfe unterstützten eine effektive
EU-Forschungspolitik "im Dienste des Gemeinwohls". Gegen den
Vorschlag, EU-Finanzmittel für Forschungsaktivitäten mit menschlichen
Embryonen und humanen embryonalen Stammzellen zur Verfügung zu
stellen, müsse aber entschiedener Einspruch erhoben werden. Die
europäischen Bischöfe fordern das Europäische Parlament, den
EU-Ministerrat und die Europäische Kommission auf, ihre Haltung zu
dieser Frage zu überdenken und die gemeinsamen
EU-Forschungsanstrengungen auf wirklich gemeinsame
Forschungsprioritäten zu konzentrieren, die nicht ethisch umstritten
sind.
Die Embryonenforschung werfe "grundlegende anthropologische und
ethische Probleme auf", unterstrich Treanor. Viele Menschen hätten
Bedenken gegen Forschung, "die menschliches Leben instrumentalisiert
und als Rohmaterial verbraucht". Das sei nicht nur eine katholische
Position. Wissenschaftlich gebe es keinen Grund, einen moralischen
Unterschied zwischen einem Embryo am Beginn der Entwicklung und nach
der Einnistung (oder nach 14 Tagen Entwicklung) zu machen.
Menschliche Würde sei nicht abhängig von Entscheidungen anderer
Menschen - und dürfe nicht davon abhängig gemacht werden, betonte der
ComECE-Generalsekretär. Jedes menschliche Leben beginne mit der
Empfängnis, es dürfe nie instrumentalisiert werden.
Das Europäische Parlament hatte am Donnerstag mit einer knappen
Mehrheit seine Unterstützung für EU-Finanzierung von Forschung mit
menschlichen embryonalen Stammzellen erklärt. Da die "Produktion"
sogenannter "überzähliger" menschlicher Embryonen bei der
In-vitro-Fertilisation nicht ausgeschlossen wird, könnten zudem
Forschungsaktivitäten, bei denen Embryonen zerstört werden, unter dem
7. Forschungsrahmenprogramm finanziert werden; lediglich die
Herstellung menschlicher Embryonen allein zu Forschungszwecken kann
nicht von der EU finanziert werden.
Es sei eine Tatsache, dass es "verschiedene Meinungen zum
anthropologischen Status des Embryo gibt und zu den ethischen Folgen
von Experimenten mit menschlichen Embryonen", erinnerte Treanor. Weil
es beim Gebrauch und der Zerstörung menschlicher Embryonen um die
Unverletzlichkeit menschlichen Lebens und menschlicher Würde geht und
tiefste Überzeugungen vieler EU-Bürger betroffen sind, habe die EU
eine moralische Pflicht, sich der Förderung solcher Forschung, die in
mehreren Mitgliedsstaaten verboten ist, zu enthalten. Der Beschluss
des Europaparlaments würde bedeuten, dass sich die EU in "delikate
nationale Entscheidungen" in dieser Frage einmischt und damit das
Prinzip der Subsidiarität verletzt.
Schließlich sei es angesichts der begrenzten Ressourcen für die EU-
Forschung "unverständlich", dass ausgerechnet die Embryonenforschung
von der EU unterstützt werden soll. Sollte dies die endgültige
Entscheidung werden, würde dies Misstrauen gegen die EU und ihre
Entscheidungsprozesse fördern, stellte der ComECE-Generalsekretär
fest.










